Was ist 'Gaslighting'?

 

 ‚Gaslighting‘ ist eine Form des psychologischen Missbrauchs: der Täter manipuliert die Wahrnehmung des Opfers so hartnäckig, dass es irgendwann seinen eigenen Verstand anzweifelt. Der Begriff leitet sich von einem Theaterstück aus dem Jahr 1938 ab, „Gas Light“, in dem ein Mann seine Frau in den Wahnsinn treibt.

 

Der Tat-Hergang folgt oft einem einheitlichen Schema. Zu Beginn zeigt sich der Täter von einer tiefgründigen, einfühlsamen, manchmal auch schüchtern-zurückhaltenden Seite und erarbeitet sich so das Vertrauen des Opfers. In dieser Phase isoliert er sein Opfer sozial. Heißt, er lässt immer mal wieder fallen, wie einmalig diese besondere Freundschaft ist und wie groß das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden doch ist und dass sie beiden alles miteinander teilen und zu zweit regeln können.

 

Sobald der Täter meint, dass er die Kontrolle verlieren könnte, sich das Opfer entfernt oder Widerworte gibt, wird er aktiv. Dazu sucht er sich einen geschützten Raum oder Situationen in denen er mit dem Opfer allein ist und beginnt mit seiner Manipulation, indem er munter zwischen Täterrolle und Opferrolle und Schuldzuweisung und Mitleid hin- und herswitcht. So kann es sein, dass der Mann, der seinem Opfer kurz vorher noch gesagt hat, er fühle sich durch das Verhalten des Opfers belästigt nur kurze Zeit später überraschend zum Opfer sagt, das Opfer habe ihn mit einer bestimmten Verhaltensweise zutiefst verletzt und enttäuscht. Wenn das Opfer auf die Ungereimtheit hinweist, reagiert der Täter mit abwertenden Antworten wie "Ach, das bildest du dir doch ein!" oder "Das habe ich vergessen, wie das genau war."

 

Während die Phasen in denen Opfer und Täter einen freundlich offenen Umgang miteinander pflegen anfangs noch verhältnismäßig lang sind, werden die Intervalle im Laufe der Zeit immer kürzer:

Das selbstbewusste Opfer konfrontiert den Täter mit seinem Verhalten. Der will die Kontrolle nicht verlieren, kann nicht damit umgehen enttarnt zu werden und möchte sich auf gar keinen Fall seinem eigentlichen Problem stellen. Deshalb greift er zu immer heftigeren Maßnahmen, bedroht das Opfer, schüchtert es ein. Das Verhalten bestätigt Muster, die dem Opfer bereits bekannt sind, womit es den Täter während der nächsten Attacke konfrontiert, weshalb die Einschüchterungsmaßnahmen des Täters noch gewalttätiger werden– eine unaufhaltsame Eskalationsspirale.

 

Logische Argumente kommen bei Menschen mit wahnhaften Überzeugungen schlichtweg nicht an - sie werden entweder ignoriert oder so umgedeutet, dass sie in die wahnhafte Realität hineinpassen.

 Wenn das Opfer Dritte informiert und der Täter davon Wind bekommt, werden die potenziellen Helfer vom Täter ebenfalls manipuliert.

 

Für Außenstehende ist der Täter weiterhin ruhig, besonnen, rational und nett. Und gelegentlich zeigt er auch diese Facette weiterhin dem Opfer, was die Situation noch schwieriger macht.