Gaslighting und 'Stalking'

 

Wie bereits beschrieben, ist es das Ziel des Täters, sein Opfer in eine Verteidigungshaltung zu bringen, es unterwürfig zu machen und eine Abhängigkeit zu schaffen. Dazu redet er dem Opfer Schuld ein und lässt es zurück. Verteidigungsversuche seines Opfers zieht er ins Lächerliche oder blockt sie komplett ab. Fragen des Opfers danach, was man denn tun könne, um die Situation zu entschärfen, werden mit genervtem „Lass mich einfach in Ruhe“ abgetan.

 

Wenn das Opfer aufhört sich zu verteidigen, wird es entweder unter Vorwand kontaktiert oder so lange eingeschüchtert und terrorisiert, bis es wieder den Drang verspürt Kontakt zum Täter zu suchen. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt dabei die sog. "Reaktanz", eine komplexe psychische Abwehrreaktion beim Opfer, die darauf abzielt, sich Freiheitsräume zurück zu erkämpfen. Wird es dabei ausfallend, wütend, beleidigend, hält der Täter dem Opfer das Ausrasten als Beweis dafür vor, dass das Opfer ja nicht zurechnungsfähig ist.

 

Darum wählen die Opfer häufig zwei Optionen:

 

1. Sie schreiben dem Täter Briefe oder Mails. Die kann er – so die Idee des Opfers – nicht manipulieren, die Worte stehen dort schwarz auf weiß. Allerdings werden diese Mails zwar vom Täter ausgiebigst studiert aber dann entweder nicht beantwortet oder darin gewünschte Regeln bewusst gebrochen.

 

Das Mail-Schreiben kann für das Opfer gleichzeitig eine große Erleichterung darstellen, um den psychischen Druck, den es erfährt, beim Verantwortlichen für die Situation loszuwerden. Opfer vergleichen das Gefühl etwa mit dem erleichternden Kratzen eines Mückenstichs. Da der Täter - egal, wie sich das Opfer verhält - ohnehin weiter Gift injiziert, hat das Opfer das Gefühl, dass es auch weiter kratzen kann, da sich an der misslichen Lage ohnehin nichts ändert.

 

2. Das Opfer wählt den Weg eines Gesprächgesuchs (oft auch über Dritte) in der Hoffnung, das kranke Verhältnis mit einem ‚klärenden Gespräch‘ in gemäßigte Bahnen lenken zu können. Denn gelegentlich gibt es ja auch Kontaktgesuche vom Täter, von daher - so die Annahme des Opfers - sollte man sich doch einfach aussprechen und das Problem klären können.

 

Da der Täter kein Interesse daran hat dieses bestehende zwanghafte Verhältnis zu beenden, benutzt er auch diese Kontaktgesuche und verwendet sie gegen das Opfer.

 

 

2015 und 2016 gab es zwei uns bekannte Fälle, in denen der Täter ebenjene Kontaktgesuche nutzte, um sein Opfer auf offiziellem Wege zur Stalkerin zu stilisieren.

 

Dies ist besonders perfide, da der Täter den Stalkingvorwurf als Vorwand nutzt um zu rechtfertigen, dass er Gesprächsgesuche und aufgestellte Regeln des Opfers ignoriert (während er allerdings von sich aus weiterhin den Kontakt zu ebenjenem sucht) und damit ebenfalls rechtfertigt, dass er über die vermeintlichen Verfehlungen seines Opfers detailliert Buch führt. Das Buchführen ist exemplarisch für seine Kontrollwut gegenüber dem Opfer.